Konzeption
des
Kinder und Jugendzentrums Turm in Lehndorf
Impressum
erschienen November 2007
Kinder- und Jugendzentrum Turm, Lehndorf
Saarplatz 3
38116 Braunschweig
Tel.: 0531- 50 01 23
Fax: 0531- 5 80 98 49
E-Mail:
Internet: http://www.jugendzentrum-turm.de
Inhalt Seite
Einleitung 4
1. Rahmenbedingungen 4
1.1 Auftragsgrundlagen 4
1.2 Personal
und Arbeitsweise 4
1.2.1 Hauptamtliches Personal 5
1.2.2 Honorarkräfte 5
1.2.3 Praktikum und Freiwilliges Soziales Jahr
(FSJ) 5
1.3 Institutionelle
Bedingungen 6
1.3.1 Räumlichkeiten/ Ausstattung 6
1.3.2 Öffnungszeiten 7
2. Zielgruppen 8
2.1 Anzahl
und Alter der Kinder und Jugendlichen 8
2.2 Lebenslagen
der Kinder und Jugendlichen 8
2.3 Bedürfnisse
der Kinder und Jugendlichen 9
2.4 Zielgruppenspezifische
Besonderheiten 9
3. Ziele 9
3.1 Bedarfs-
und Lebensweltorientierung 10
3.2 Vernetzung/
Sozialraumorientierung 10
3.3 Partizipation 11
3.4 Gender
Mainstreaming 12
3.5 Kultur-
und Medienarbeit 12
4. Methoden 13
Anhang: 14
Teilkonzept „Ehrenamtlichengruppe“
Einleitung
Diese
Konzeption beschreibt die Grundlagen, nach denen sich die offene Arbeit mit
Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen
in
Lehndorf richtet.
Sie soll
dazu dienen, Angebote so zu gestalten, dass sie den jeweiligen Lebensumständen
der Kinder und Jugendlichen in Lehndorf entspricht.
Dabei ist
den unterschiedlichen Bedürfnissen der Kinder, Jugendlichen, jungen Erwachsenen
und Personensorgeberechtigten ebenso Rechnung zu tragen wie den Ansätzen und
Zielvorstellungen anderer Institutionen, die mit Kindern und Jugendlichen im
Stadtteil arbeiten.
Die
Konzeption des Kinder- und Jugendzentrums (KJZ) Turm in Lehndorf wird
regelmäßig (alle 2 bis 3 Jahre) aktualisiert.
1. Rahmenbedingungen
1.1 Auftragsgrundlagen
"...Jugendliche
brauchen Orte, wo sie ungestört sich treffen, ihren Ideen und
Freizeitinteressen nachgehen, ihre Hobbys ausüben und sich vor allen Dingen selbständig entwickeln können. Kommunale
Jugendhilfe hat die Aufgabe, den jungen Menschen ihrer Gemeinde die zur Förderung ihrer Entwicklung
erforderlichen Angebote der Jugendarbeit zur Verfügung zu stellen. Die Angebote
sollen an den Interessen
junger Menschen anknüpfen und von ihnen mitbestimmt und mitgestaltet werden.
Durch die Angebote der Jugendarbeit sollen die
Jugendlichen Selbstbestimmung lernen und zur gesellschaftlichen
Mitverantwortung und zu sozialem Engagement befähigt werden."
(K. Janssen: KJHG, Leitfaden für die
kommunale Kinder- und Jugendhilfe, Bonn, 1993, S.8 )
Diese im
Kommentar zum Kinder- und Jugendhilfegesetz (KJHG), mittlerweile Sozialgesetzbuch
(SGB) VIII verankerten Ziele der Jugendarbeit (§ 11) und das Rahmenkonzept der
Offenen Kinder- und Jugendarbeit in Braunschweig bilden die Grundlage des
pädagogischen Konzeptes.
Es ist
aufgebaut auf den Grundprinzipien der Förderung von Eigen- und Mitverantwortlichkeit,
des Ausgleichs von Persönlichkeitsdefiziten,
der
Stärkung des Selbstwertgefühls sowie der Schaffung eines humanistischen und
gewaltfreien Klimas als Ausgangspunkt und Nährboden für einen kooperativen und
freundschaftlichen Umgang miteinander.
1.2 Personal und Arbeitsweise
Das hauptamtliche Personal des Kinder- und
Jugendzentrums Turm ist Teil der Braunschweiger Stadtverwaltung,
wodurch hierarchische Strukturen und
administrative Aufgabenverteilungen vorgegeben sind.
Als Standards gelten regelmäßige
Dienstbesprechungen und Fortbildungen, die aktive Teilnahme an
einrichtungsübergreifenden, themenspezifischen Arbeitskreisen,
Mitarbeiterinnen- und Mitarbeitergespräche, Jahresplanungen und
Leistungsberichte,
regelmäßige Monatsprogramme sowie
Öffentlichkeitsarbeit.
Formen
der Öffentlichkeitsarbeit sind:
·
Medienpräsenz
(Presse, Internet, lokaler Rundfunk, lokaler Fernsehsender)
·
Monatsprogramme
·
Tag
der offenen Tür
·
Schaukastengestaltung
·
Aktionen
im Stadtteil
·
Teilnahme
an Großveranstaltungen der Stadt Braunschweig und des Kinder- und
Jugendforums.
1.2.1 Hauptamtliches
Personal
Durch parallele Öffnungszeiten des Kinder- und
des Jugendbereiches[1]
bilden sich Tätigkeitsschwerpunkte.
Das Team arbeitet gleichberechtigt und
gewährleistet einen kollegialen Fachaustausch.
Entsprechend
der Forderungen der Rahmenkonzeption für die Offene Kinder- und Jugendarbeit in
der Stadt Braunschweig sind
im KJZ
Turm die Planstellen wie folgt besetzt:
·
eine
Dipl. Sozialpädagogin
·
ein
Erzieher
1.2.2 Honorarkräfte
Die Bereitstellung von Honorargeldern in der
offenen Arbeit mit Kindern und Jugendlichen versetzt das Jugendzentrum in die
Lage, situativ, flexibel und innovativ zu agieren. Daher sind diese Mittel ein
wichtiger Faktor der Arbeit vor Ort. Nur so können Angebotsstrategien
entwickelt werden, die direkt auf die Bedürfnisse der Besucher zugeschnitten
sind. Die besonderen Fähigkeiten, die Honorarkräfte in die offene Arbeit mit
Kindern und Jugendlichen einbringen können, erweitern das vorhandene
Angebotsspektrum.
1.2.3 Praktikum und
Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ)
Das
Kinder- und Jugendzentrum bietet die Möglichkeit, Schulpraktika unterschiedlicher
Schulen sowie ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) abzuleisten.
Schülerinnen und Schülern der Allgemeinbildende
Schulen und Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im FSJ wird ein Überblick über die
offene Arbeit mit Kindern und Jugendlichen in Braunschweig vermittelt.
Schülerinnen und Schüler der Berufsbildenden
Schulen haben zudem die Möglichkeit, mit fachlicher Anleitung Angebote und
Projekte durchzuführen.
1.3 Institutionelle Bedingungen
Das
Kinder- und Jugendzentrum Turm, Lehndorf, ist eine Einrichtung des
Fachbereiches Kinder, Jugend und Familie der Stadt Braunschweig, Abteilung
Jugendförderung.
Die
Einrichtung liegt zentral in der Siedlung Lehndorf direkt gegenüber dem
Einkaufszentrum des Stadtteils.
Gemeinsam
mit der Grundschule, zwei Kindertagesstätten, dem Hort, dem Seniorenzentrum und
der Kirchengemeinde bildet sie
das
soziale Zentrum im Stadtteil.
1975
wurde das Jugendzentrum in den Kellerräumen des Aufbauhauses am Saarplatz in Braunschweig-
Lehndorf eröffnet.
1988
wurde es für die offene Arbeit mit Kindern um zwei Räume im Erdgeschoß des
Gebäudes erweitert.
Ebenfalls
im Gebäude untergebracht ist eine Dienststelle des Polizeikommissariats Süd.
Durch die
Zusammenlegung der Ortsteile Lehndorf, Alt- Lehndorf, Kanzlerfeld, Lamme,
Watenbüttel, Ölper und Völkenrode zum Stadtbezirk 321 erhielt das Kinder- und
Jugendzentrum den politischen Auftrag, in einem sehr großen Einzugsbereich im
Nordwesten Braunschweigs tätig zu werden. Darin gibt es derzeit mit Ausnahme
des Jugendtreffs Lamme, der mit einer Halbtagskraft betrieben wird, keine
weitere Jugendeinrichtungen. Geplant ist der Neubau eines Kinder- und
Jugendzentrums in kirchlicher Trägerschaft in Lamme für 2010.
1.3.1 Räumlichkeiten/ Ausstattung
Das
Kinder- und Jugendzentrum hat eine Gesamtfläche von ca. 233 m².
Abgesehen
von einem kleinen Putzmittel- und einem kleinen Lagerraum werden alle
Räumlichkeiten für Angebote und Aktivitäten genutzt.
Sie sind
so ausgestattet, dass eine größtmögliche Flexibilität der Arbeit jederzeit
gewährleistet wird. Die Ausstattung wird regelmäßig auf Sicherheit und
Einsatzbereitschaft überprüft.
Der Turm
gliedert sich in einen Jugend, einen Kinder- und einen Außenbereich:
Die
Jugendräume liegen im Keller des Lehndorfer Turms. Dadurch und durch die
kleinen, mit Gittern gesicherten Fenster ist der Aufenthalt nur bei künstlicher
Beleuchtung und heller farblicher Gestaltung der Wände, Fußböden und Decken
möglich.
Der Jugendbereich der Einrichtung besteht aus:
·
einem
Mehrzweckraum, ca. 52 m², mit Theke, unter-schiedlichen Sitzgelegenheiten,
Billard, Airhockey, mehreren PCs mit Internetzugang, kleiner Musik- und
Lichtanlage, Infothek, Fernseher mit DVD und Videogerät. Dieser Raum wird
ebenfalls für Discos, Konzerte und als Café genutzt (Offener Bereich).
·
einem
Gruppenraum, ca. 12 m², mit Tischtennisplatte und der Möglichkeit eine
Schwarzlichtbühne aufzubauen
·
einem
Gruppenraum, ca. 15 m², mit Sitzecke und Gesellschaftsspielen als
Rückzugsmöglichkeit
·
einem
Werkraum, ca. 29 m², mit einer Werkbank und Lagerflächen
·
einem
Büro, ca. 14 m², mit zwei Schreibtischen, einem Konferenztisch, zwei PCs mit
Internetzugang und einer kleinen Fachbibliothek
·
einer
Putzmittelkammer
·
einem
Lagerraum
·
dem
Eingangsbereich mit Spiegel, Infowänden für offizielle Infos, Veranstaltungen und Busfahrplänen,
Tischfußball und Elektronik- Dart
·
einem
Notausgang mit Großspielgeräten
·
einer
kleinen Teeküche
·
einem
Computerraum mit 7 PCs, vernetzt, mit Internetanschluss
Die
Kinderräume und der Computerraum im Erdgeschoss befinden sich über dem
Jugendbereich. Sie sind aber nicht direkt mit den Jugendräumen verbunden,
sondern nur über einen separaten Eingang auf der anderen Gebäudeseite zu
erreichen. Es müssen die Toiletten und Kochmöglichkeiten des Jugendzentrums
genutzt werden.
Im
Kinderturm gibt es:
·
einen
Gruppenraum, ca. 32 m², mit Hochebene, Gruppentischen, Kaufmannsladen,
Verkleidungsecke, Tischfußball, Kinderbillard, Minibibliothek,
Materialschränken und einen PC mit Internetzugang
·
einen
Toberaum, ca. 12 m², mit Bau- und Spielkissensatz, Turnmatten und Wandtafel
·
einen
Flur, ca. 6 m², mit Lagermöglichkeiten und Kleiderhaken
·
eine
Eingangshalle, ca. 18 m², mit Tischtennisplatte
Außerdem
befindet sich direkt am Gebäude eine kleine Außenfläche mit:
·
einer
kombinierten Streethockey-, Streetsoccer-, Streetbasketball- Anlage
·
einem
Gartenschachfeld
·
einer
Rasenfläche mit Volleyball-/ Tennisfeld
·
einem
Gartenhaus als Stauraum für Garten- und Spielgeräte.
Für die
Reinigung der Einrichtung ist eine Reinigungsfirma zuständig.
1.3.2 Öffnungszeiten
Die
Öffnungszeiten des Kinder- und Jugendzentrums Turm richten sich nach den
Bedürfnissen der Besucher, deren Eltern, den Schulzeiten, den Vorgaben der
Stadt Braunschweig und den Anforderungen regionaler Politik.
Derzeit
sind die Öffnungszeiten folgendermaßen:
|
Wochentag |
Kinderbereich |
Jugendbereich |
|
Montag |
|
14 – 18 Uhr |
|
Dienstag bis Freitag |
15 – 18 Uhr |
14 – 21 Uhr |
|
Samstag/ Sonntag |
nach Bedarf |
nach Bedarf |
Erweitert
werden die „normalen“ Öffnungszeiten durch besondere Angebote wie Freizeiten,
Veranstaltungen, Workshops und Seminare (außerhalb der Regelöffnungszeiten, an
Wochenenden).
2. Zielgruppen
Die
Angebote des Kinder- und Jugendzentrums Turm richten sich nach den Vorgaben des
SGB VIII an Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene im Alter von 6 bis 27
Jahren. Den Schwerpunkt bildet die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen von 6
bis 18 Jahren aus den Stadtteilen Siedlung Lehndorf, Alt- Lehndorf und Kanzlerfeld,
insbesondere mit Mädchen, Schulabgänger und Berufsanfänger, junge Familien,
Jugendliche mit Schulproblemen (Schulverweigerer, Nachhilfe….), Arbeitssuchende
und Alleinerziehende.
2.1 Anzahl und Alter der Kinder und Jugendlichen
Zahl der Kinder und Jugendlichen im Bezirk 412,
Planungsbereich 14 (Jugendhilfeplanung,
Statistik 2005)
|
Alter |
Anzahl |
Anzahl pro Jahrgang |
Anteil
an Bevölkerung |
Anteil
an Bevölkerung in Braunschweig zum Vergleich |
|
unter 6 |
303 |
50,50 |
4,17 % |
4,84 % |
|
6 - u.10 |
266 |
66,50 |
3,66 % |
3,18 % |
|
10 - u. 14 |
289 |
72,25 |
3,98 % |
3,28 % |
|
14 - u. 18 |
317 |
79,25 |
4,37 % |
3,64 % |
|
18 - u. 21 |
246 |
82,00 |
3,39 % |
3,09 % |
|
21 - u. 27 |
400 |
66,67 |
5,51 % |
8,70 % |
Anteil ausländischer
Kinder und Jugendlicher von 6 bis 21: 43 = 3,85 % (BS: 9,23 %)
In den
Kinderbereich kommen Mädchen und Jungen im Alter von 6 bis 12 Jahren und in den
Jugendbereich Besucherinnen und Besucher
von 11
bis 18 (27) Jahren.
Kinder im
Alter von 10 bis 12 Jahren haben die Möglichkeit, vom Kinderturm in das
Jugendzentrum zu wechseln.
Für
Jugendliche von 18 bis 27 Jahren werden spezielle Angebote vorgehalten, z.B. Beratung
und Hilfe bei allgemeinen Lebenslagen (Bewerbung, Miete, Finanzen usw.).
2.2 Lebenslagen der Kinder und Jugendlichen
Lehndorf
zeichnet sich durch einen vorstädtischen Charakter in Innenstadtnähe aus.
Kinder
und Jugendliche leben hier größtenteils in Familien der Mittelschicht, denen
ausreichende Freizeitangebote zur Verfügung stehen (Vereine, Kirchen,
Musikschule, Kinder- und Jugendzentrum).
In
Übereinstimmung mit der Abteilung 51.1 (Allgemeine Erziehungshilfe) des
Fachbereiches Kinder, Jugend und Familie der Stadt Braunschweig, durch
Elterngespräche, die Zusammenarbeit mit Schulen, Kindertagesstätten und der
Polizei sowie durch eigene Beobachtungen im KJZ wurden folgende Besonderheiten
bei den Lebenslagen einzelner Kinder und Jugendlicher in Lehndorf festgestellt:
·
zunehmender
Drogen-, Nikotin- und Alkoholmissbrauch bei den 13- bis 17jährigen
·
Erziehungsschwierigkeiten
im Elternhaus mit zunehmender Tendenz der Eltern, sich bei Problemen mit ihren
Kindern aus der Verantwortung zu nehmen, anstatt an notwendigen Veränderungen
mitzuwirken
·
Scheidungs-
und Patchworkfamilien
·
häufiger
Wohnungswechsel (oft innerhalb Lehndorfs)
·
Schwierigkeiten
in der Schule (Schulverweigerung und -abbruch)
·
Probleme
beim Übergang von der Schule in den Beruf (Arbeitslosigkeit)
·
Zunahme von
Kleinkriminalität (Diebstahl, Sachbeschädigung, Abziehen, Erpressung, leichte
Körperverletzung, Einstiegsdrogen)
2.3 Bedürfnisse der Kinder und Jugendlichen
Gespräche
mit Kindern und Jugendlichen in Lehndorf, Vollversammlungen im Kinder- und
Jugendzentrum sowie Beteiligungsprojekte
ergaben
folgende wichtige Bedürfnisse:
·
einen
Treffpunkt und Schutzraum außerhalb des Elternhauses haben
·
Freizeit
selbst gestalten können
·
Angebote
des Jugendzentrums nutzen (Beratung, Freizeit, Bildung, Essen)
·
Mitarbeiterinnen
und Mitarbeiter des Jugendzentrums als neutrale Ansprechpartner (z.B. bei
Problemen in Schule, Arbeit und Familie)
2.4 Zielgruppenspezifische Besonderheiten
Die Bevölkerungszahlen
in Lehndorf von Kindern und Jugendlichen im Alter von 0 bis 27 Jahren sind seit
2002 konstant
(ca. 1800
Kinder und Jugendliche).
Sowohl
der Ausländeranteil als auch der Anteil der Kinder und Jugendlichen mit
Migrationshintergrund ist geringer als im
Braunschweiger
Durchschnitt.
Im
Planungsbereich 15 (Kanzlerfeld, Lamme) allerdings entspricht der Anteil der 0
bis 18jährigen mit Migrationshintergrund
dem
Braunschweiger Durchschnitt. Der Anteil ausländischer Kinder und Jugendlichen
ist - ebenso wie in Lehndorf - etwa halb so hoch
wie der
in Braunschweig.
Außerdem
ist hier der Anteil der Arbeitslosengeld II- Empfänger extrem niedrig.
Im
Vergleich zu Lehndorf sind im Planungsbereich 15 wesentlich mehr
Jugendgerichtshilfefälle zu verzeichnen:
Lehndorf
liegt bei 3,9 %, Kanzlerfeld/ Lamme bei 5,7 % und Braunschweig bei 6,2 %.
(Quelle: Stadt Braunschweig, Jugendhilfeplanung)
3. Ziele
Auf der
Grundlage der Rahmenkonzeption der Offenen Kinder- und Jugendarbeit in
Braunschweig ergeben sich für die pädagogische Arbeit im Kinder- und
Jugendzentrum Turm folgende maßgeblichen Zielsetzungen:
·
Bedarfs-
und Lebensweltorientierung
·
Sozialraumorientierung/
Vernetzung
·
Partizipation
·
Gender
Mainstreaming[2]
·
Kultur-
und Medienarbeit
Diese werden
regelmäßig in der aktuellen Jahresplanung in konkrete Handlungs- und
Wirkungsziele gefasst und deren Realisierung im Leistungsbericht überprüft.
3.1 Bedarfs- und Lebensweltorientierung
Als
familienergänzende, präventive Jugendhilfeeinrichtung ermittelt das Kinder- und
Jugendzentrum die Lebenslagen und Bedürfnisse der Kinder, Jugendlichen und
deren Eltern in Lehndorf. Dazu dienen Gruppen- und Einzelgespräche mit Kindern,
Jugendlichen, Eltern, Politikern und anderen Institutionen, Vollversammlungen,
der Runde Tisch für Kinder- und Jugendarbeit sowie Umfragen im Stadtteil. Die
Ergebnisse fließen in niedrigschwellige und aktuelle Angebote ein. Dies
beinhaltet unter anderem die Bereiche Freizeitgestaltung, Sport, Moderne
Medien, verlässliche Betreuung und regelmäßige Öffnungszeiten.
Außerdem
bietet der Turm Raum, selbstbestimmt freundschaftliche Beziehungen zu pflegen,
Spaß zu haben und soziales Verhalten auszuprobieren.
Aufgrund
der Auflösung traditioneller Familienstrukturen bietet das Kinder- und Jugendzentrum
Besucherinnen und Besuchern ein Lernfeld für soziale Verhaltensweisen.
Im
Kinder- und im Jugendzentrum wird situationsorientiert gearbeitet und flexibel
auf spontane Bedürfnisse der Besucherinnen und Besucher reagiert. Auf das
wahrgenommene Bedürfnis nach einer Rückzugsmöglichkeit ist die Umgestaltung der
ehemaligen Teestube in einen „Chill- Raum“ geplant, den hoffentlich viele
Besucherinnen und Besucher nutzen werden.
Durch vielfältige Angebote machen die Kinder und Jugendlichen soziale, pragmatische,
emotionale und kognitive Erfahrungen. Das freiwillige Lernen in der Gruppe ohne
Benotungen führt zu einer hohen Motivation und Wissensaneignung in einer
angstfreien Atmosphäre.
3.2 Vernetzung/ Sozialraumorientierung
Im Rahmen
des Vernetzungsgedankens strebt der Turm eine Zusammenarbeit mit allen
Institutionen des Stadtteils an, z.B. Arbeitsgemeinschaften (AGs) für Schulen
im Jugendzentrum, gemeinsame Aktionen mit der städtischen Kindertagesstätte
(Klettern
in der Kindertagesstätte; Hort nutzt Räumlichkeiten des Kinder- und
Jugendzentrums), Laubsägearbeiten mit den „Sägezähnen“
des
Seniorenzentrums, Probetraining bei verschiedenen Lehndorfer Vereinen.
Im
Kinder- und Jugendforum sind die Einrichtungen vertreten, die mit Kindern und
Jugendlichen arbeiten. Dieses Forum plant und führt gemeinsame Projekte und
Veranstaltungen durch, wie zum Beispiel ein jährliches Stadtteilfest. Es ist
geplant, die Zusammenarbeit dahingehend zu verändern, dass der Lehndorfer
Siedlerverein die Organisation des Stadtteilfestes ab 2008 übernimmt.
So wird
das Kinder- und Jugendforum wieder stärker zu einer Plattform für
Terminabsprachen, Meinungsaustausch, Diskussion und Fortbildung, und die
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Turms können mehr für Kinder und
Jugendliche im Stadtteil anbieten.
Als Teil
des Sozialraums ist das KJZ Ansprechpartner und Anlaufpunkt für Kinder und
Jugendliche in Lehndorf. Die Möglichkeiten des Sozialraums werden kinder- und
jugendspezifisch bei den Angeboten des Turms berücksichtigt. Die Mädchen und
Jungen
erfahren, sich ihre Lebensräume anzueignen, sie zu gestalten, sich darin sicher
zu bewegen und entsprechend zu verhalten.
3.3 Partizipation
Kinder-
und Jugendliche bestimmen Entscheidungen des Hauses aktiv mit.
Dies betrifft
beispielsweise das Programm, die Hausregeln, die Ausstattung und Gestaltung der
Räume sowie Planung und Durchführung
von
Freizeiten und Veranstaltungen.
Hierbei
erlernen die Kinder und Jugendlichen, Verantwortung zu übernehmen, entwickeln ein Verständnis für demokratische
Grundregeln
und
lernen die dazugehörigen Methoden kennen.
Bestimmte
Aufgaben werden von Jugendlichen in Eigenregie übernommen, z.B. Cafeteriadienst
und Vermietung der Räumlichkeiten,[3]
Mitarbeit im Kinderbereich.
Geeignete
Jugendliche können einen Jugendgruppenleiterschein (Juleica) erwerben.
In
Beteiligungsaktionen (z.B. Spielplatzplanungen) entwickeln Kinder und
Jugendliche Eigeninitiative und lernen, ihre eigenen Interessen umzusetzen
(z.B. gegenüber Politikern, Verwaltung).
Das
Jugendzentrum vertritt eine neutrale Grundeinstellung und bietet den
Jugendlichen Raum, sich zu den unterschiedlichen politischen Richtungen eigene
Meinungen zu bilden.
In
Gesprächen werden jugendpolitische Themen behandelt und diskutiert.
Es werden
Parteien eingeladen und Informationen zu Wahlen, politischen Gremien und
Parteien vermittelt. Jugendliche werden befähigt, ihre Bedeutung für die
Politik zu erkennen und ihre politischen Möglichkeiten zu nutzen.
Bei
jugendpolitisch relevanten Tagesordnungspunkten des Bezirksrates ist das
Kinder- und Jugendzentrum vertreten.
Das
Kinder- und Jugendzentrum beteiligt sich aktiv im Kinder- und Jugendforum
Lehndorf, Lamme, Kanzlerfeld.
Es
unterstützt das Beteiligungsforum bs4u, indem Kinder und Jugendliche befähigt
werden, mit dem Redaktionssystem der Webseite zu arbeiten.
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3.4 Gender Mainstreaming
Gender
Mainstreaming bedeutet für die praktische Arbeit im Kinder- und Jugendzentrum
Turm, dass bei allen Angeboten die geschlechtsspezifischen Bedürfnisse der
Mädchen und Jungen berücksichtigt werden.
Durch die
emanzipatorische Arbeit sollen die Besucherinnen und Besucher des Turms die
Fähigkeit erlernen,
ihre
Rolle in der Gesellschaft zu finden.
Neben
Angeboten speziell für Jungen und Mädchen (z.B. Mädchenfreizeiten,
Mädchengruppe, erlebnispädagogische Angebote für Jungen, Arbeitsgemeinschaften
an Schulen) gibt es auch viele
gemeinsame Unternehmungen (koedukativer Ansatz).
Das
Jugendzentrum stellt hierfür Möglichkeiten in Form von Räumlichkeiten sowie
Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner
für
Mädchen und Jungen zur Verfügung.
Außerdem
gehört es zum Konzept des Jugendzentrums, dass eine weibliche und eine
männliche pädagogische Fachkraft im Team zusammenarbeiten, wobei die Pädagogin
die Einrichtung leiten soll.
Sie
vertritt das Kinder- und Jugendzentrum im trägerübergreifenden Braunschweiger
Mädchenarbeitskreis (MAK) und beteiligt sich
an dessen
gemeinsamen Aktionen, wie beispielsweise dem alljährlichen Mädchenzeltlager in
Hondelage.
3.5 Kultur- und Medienarbeit
„Kulturarbeit beinhaltet ein hohes Maß an
sozialem Lernen. Projekte der Kulturarbeit […] fördern kreative Erfahrungen,
die Fähigkeit zur Selbstorganisation und intensive zielgerichtete
Gruppenprozesse.“
(Rahmenkonzeption der
offenen Kinder- und Jugendarbeit in Braunschweig, S.32)
Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Turms
erkennen neue kulturelle Strömungen und holen sie durch entsprechende Angebote
in das Kinder- und Jugendzentrum. Wichtig ist
hierbei zeitnahes Agieren, um präventiv zu gestalten.
Derzeit ist bei den Besucherinnen und Besuchern
besonders beliebt, sich wie „Gangsta- Rapper“ zu kleiden, zu verhalten und
deren diskriminierende, Gewalt verherrlichende Texte zu übernehmen. Die
pädagogische Antwort des Turms darauf ist, über die Rapszene zu sprechen und
alternative Texte auf der Grundlage eigener Lebenswelten und Erfahrungen mit
Braunschweiger Rappern in einem Workshop zu entwickeln. Erfolge lassen sich
daran erkennen, dass die Jugendlichen eine andere Sichtweise entwickeln und
weiterhin Spaß am kreativen Umgang mit Musik und Texten haben.
Das KJZ kann ein Ort für erste Auftritte sein.
Die Jungen und Mädchen können sich hier ohne Druck ausprobieren oder durch das
Jugendzentrum die Möglichkeiten der Abteilung Jugendförderung (Tonstudio
Löwenhertz) und regionaler Medien (Radio Okerwelle, OKTV, Zeitung) nutzen.
Weitere Formen der Kulturarbeit im Turm sind
Kinder- und Jugendkino, Hip-Hop- Tanzworkshop, Kinderdisco, Konzerte, Theater,
Videoclips, Fotografie, spontane Angebote sowie die Gestaltung des
Adventsfensters.
Dafür hält das Jugendzentrum eine professionelle
Grundausstattung mit Discoanlage, Gesangsanlage mit Mikrofonen, Beleuchtung und
Effektgeräten, verschiedenen Kameras, Videobeamer mit Leinwand, Video- und
DVD-Player, Software für Bild-, Musik- und Videobearbeitung vor.
Die vielen Möglichkeiten zur Kulturarbeit
verdeutlichen den hohen Stellenwert, den diese im Turm einnimmt.
Das Konzept eines zukunftsorientierten und
modernen Kinder- und Jugendzentrums muss auch Aspekte einer multimedial
orientierten Gesellschaft aufgreifen.
Um den Besucherinnen und Besuchern ein betreutes
Lernfeld im Umgang mit neuen Medien zu bieten, gehört neben der Bereitstellung
von Räumlichkeiten und Material auch
entsprechend geschultes Personal.
In einem Computerraum bieten Ehrenamtliche mit
Fachkenntnissen PC- Kurse für Kinder (mit Erwerb eines Computerführerscheins)
und Fortbildungen für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an. Die Computer in den
Offenen Bereichen werden als niederschwelliges Angebot
und zum Erlernen des richtigen Umgangs mit PC
und Internet eingesetzt. Im Büro haben die Jugendlichen die Möglichkeit,
ungestört einen PC für Hausaufgaben und
Bewerbungen zu nutzen.
Medienkompetenz bietet besonders benachteiligten
Kindern und Jugendlichen eine zusätzliche Chance auf einen Einstieg in das
Berufsleben. Um diesem wichtigen Punkt Rechnung zu tragen, ist das
Bereitstellen aktueller Medienangebote weiterhin eine wichtige Aufgabe des
Kinder- und Jugendzentrums.
4. Methoden
Im
Kinder- und Jugendzentrum Turm werden die sozialpädagogischen Methoden
entsprechend der Rahmenkonzeption der Offenen Arbeit
mit
Kindern und Jugendlichen in der Stadt Braunschweig umgesetzt.
Die Beziehungen
zwischen den Besucherinnen und Besuchern und den pädagogischen Fachkräften im
Offenen- Tür- Bereich bilden den Schwerpunkt der täglichen Arbeit.
In
regelmäßigen Kurs- und Gruppenangeboten sowie durch themenspezifische Arbeit in
Projekten werden Kenntnisse und Fertigkeiten vermittelt.
Die
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beraten bei alltagsrelevanten Problemen und
zeigen Hilfsangebote anderer Institutionen auf.
Sie sind
im Stadtteil präsent, werden von anderen Institutionen als Fachleute für die
Belange der Kinder und Jugendlichen in Lehndorf angesehen und agieren als
Vermittler bei der Umsetzung von Gestaltungsideen.
Kinder-
und Jugendfreizeiten ermöglichen intensive Erfahrungen auf der Beziehungs- und
Sachebene.
Besondere
Arten der Freizeitgestaltung sind:
a)
Internationale Begegnungen zur Förderung des Sprachgefühls sowie des Umgangs
mit anderen Kulturen.
b)
Erlebnispädagogische Angebote zur Stärkung des Selbstbewusstseins, Erleben von
Grenzen und Trainieren sozialer Kompetenz.
Anhang
Teilkonzept
„Ehrenamtlichengruppe“
Im
Jugendzentrum Turm bestimmen die Besucherinnen und Besucher mit und übernehmen
selbstständig und freiwillig Aufgaben in verschiedenen Arbeitsbereichen wie
z.B. den Cafeteriadienst, die Vermietung von Räumlichkeiten und bei
Veranstaltungen.
Hierbei
werden sie von den pädagogischen Fachkräften unterstützt.
Die ehrenamtlich Tätigen entwickeln Fertigkeiten
und Kenntnisse im Umgang mit Geld sowie der eigenständigen Verwaltung der
Finanzen. D.h. sie haushalten mit Einnahmen und Ausgaben und bestimmen die
Verwendung erwirtschafteter Gelder in der Gruppe selbst.
Durch die Teamarbeit in der Ehrenamtlichengruppe
haben die Jugendlichen die Möglichkeit, soziale Kompetenzen zu erwerben,
die besonders auf dem Arbeitsmarkt einen immer
höheren Stellenwert bei den Bewerbungskriterien einnehmen.
Sie entwickeln Verantwortungsgefühl, treffen
Absprachen und lernen, sich daran zu halten. Die Arbeit im Team - sowohl mit
den Gästen als auch mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Turms - erfordert
unter anderem einen angemessenen Umgangston, sicheres Auftreten,
Durchsetzungsvermögen sowie Belastbarkeit.
Ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter
erwerben durch ihre Tätigkeiten auch fachliche Kompetenzen. Sie erhalten
Einblicke in die rechtlichen Bedingungen, auf deren Grundlage sie tätig werden
- wie z.B. Jugendschutzgesetz – und können in diesem Rahmen Entscheidungen
treffen.
Da sie ihren Arbeitsbereich und damit verbundene
Interessen vertreten, nehmen sie beispielsweise stärkeren Einfluss beim
Aufstellen der Hausregeln. So kennen sie sich gut mit den Hausregeln aus,
identifizieren sich eher damit und achten auf deren Einhaltung.
Auch bei der Organisation von Arbeitsabläufen
und dem Kennen und Einhalten von Hygienevorschriften sind Ehrenamtliche besser
informiert als die anderen Besucherinnen und Besucher des Jugendzentrums.
Durch die Mitarbeit in der Ehrenamtlichengruppe
bekommen die Jugendlichen einen höheren Stellenwert unter den Besucherinnen und
Besuchern des Turms.
Es entsteht also eine Partnerschaft, bei der
sowohl das Jugendzentrum als auch die Ehrenamtlichen gewinnen.
Ohne sie wären viele Angebote im Jugendzentrum
so nicht möglich.
Die Mitarbeit in der Ehrenamtlichengruppe stellt
im Turm die ausgeprägteste Form der Partizipation dar.
[1] siehe Punkt 1.3.1
[2]„Gender Mainstreaming ist
eine Strategie, die bestehende Benachteiligungen zwischen den Geschlechtern
durch Strukturen und Aktivitäten abbauen soll. Sie verfolgt das Ziel der Gleichstellung
von Frau und Mann in den unterschiedlichen Lebensbereichen.“ (Rahmenkonzeption
der offenen Kinder- und Jugendarbeit in Braunschweig, S.11)
[3] siehe Teilkonzept „Ehrenamtlichengruppe“ im Anhang