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Kleine Kanadier- Fibel

Inhalt

Wie alles begann

1.Begriffsklärung
2.Kanadierfahren ohne Risiko (?)
3.Umwelt
4.Der Wander- Kanadier
5.Zubehör
6.Tipps für Anfänger
7.Hindernisse/Wehre
8.Fluß- Morphologie
9.Kanadier- Unfälle
10.Vollgelaufener Kanadier
11.Boot-über- Boot-Bergung
12.Hypothermie
13.Außergewöhnliches und Vergnügliches
14.Ausbilder/ Führer
15.Interessante Paddelmöglichkeiten
16.Literatur-/Quellenverzeichnis








Wie alles begann:

In der zweiten Hälfte der 80er Jahre wurden vom Jugendamt der Stadt Braunschweig drei Viererkanadier für die offene Jugendarbeit in den Kinder- und Jugendzentren angeschafft. Die Boote sollten der Stadtjugend Natur nahebringen.

Bereits im ersten Jahr beteiligte ich mich für das Jugendzentrum Turm an einer großen Kanu-/ Surf- Freizeit mit 60 Jugendlichen in Südfrankreich. Es folgten mehrere Tagesfahrten auf Oker, Innerste und Leine, eine Kanu- und Badefreizeit an die Ardeche in Südfrankreich, Kanuseminare für Kinder, Jugendliche und Erwachsene und eine Teeniefreizeit mit Zelten und Kanufahren unterhalb der Marienburg/ Leine. Seit April 2000 biete ich für die Orientierungsstufe in Lehndorf eine Kanu- AG an.


Im Laufe der Kanu- Arbeit wurden Mindestanforderungen im Sicherheitsbereich festgelegt, z.B. müssen alle Teilnehmer einen Schwimmschein besitzen, mindestens ein begleitender Pädagoge sollte einen Rettungsschwimmschein besitzen. Boote ausleihen sollte nur jemand dürfen, der eine Einweisung in den Umgang mit den Kanadiern mitgemacht hat usw. . Aus finanziellen und personellen Gründen wurden diese Absprachen den heutigen Bedürfnissen und Möglichkeiten angepaßt.


Die kleine Kanadier- Fibel soll Anfängern die ersten Schritte zum Kanadierverständnis erleichtern. Sie hat nicht den Anspruch auf Vollzähligkeit und Allgemeingültigkeit. In ihr sind lediglich die Erfahrungen von zwei Kanadierfreunden gesammelt.

Vielleicht kann die Fibel aber eine Gedächtnisstütze oder ein roter Faden vor einer Tour sein.


Ich wünsche jedenfalls allen Paddlern viele schöne Eindrücke- und immer daran denken:

Es gibt kein falsches Wetter, nur falsche Kleidung!


1. Begriffsklärung


Kanu, Kanadier oder auch Canadier meint dasselbe, nämlich das von den Indianern Nord-amerikas bekannte „Indianer- Kanu“.

Der Kanadier (so schreibe ich es hier) ist eine von zwei Bootsgattungen im Kanusport.

Die zweite Bootsgattung ist der Kajak (bekannt von den Eskimos. Eskimo bedeutet übersetzt Rohfleischesser, besser ihr benutzt das Wort Inuit- das bedeutet einfach Mensch).

Geschichtlich geht der Kanadier auf die Rindenkanus der Ureinwohner Nordamerikas zurück.

Kanadierfahren ist eine der schönsten Arten, die Natur kennenzulernen- auf dem „Pfad des Paddels“.


1.1 Der Kanadier- das unbekannte Wesen:


Als erstes muß man beim Kanufahren lernen, daß ein Kanadier kein seelenloses oder lebloses Objekt ist. Er gewinnt rasch an Temperament, bezieht sein Leben aus der Strömung des Wassers und der Bewegung der Luft. Das Verhalten des Bootes hängt von den Elementen ab- von dem leisesten Windhauch bis zum brüllenden Sturm, vom bescheidensten Wasserkräusel bis zum meterhohen Wellenbrecher, vom sich gemächlich schlängelnden Bach bis zum donnernden Katarakt.

Jeder kann einen Kanadier auf einem stillen Mühlenteich handhaben- doch in einer Strom-schnelle wird aus dem Boot ein wilder Mustang, der straff am Zügel geführt werden muß.

Die Besatzung muß ihn in ihre- und aus seiner- Richtung zwingen. Es ist wie beim Reiten: Der Kanadier wird den über Bord kippen, der ihm zuviel Spielraum läßt, und er wird allein den Fluß hinunter treiben. Aber nicht immer braucht er die starke Hand. Manchmal reichen schon Streicheleinheiten und er wird lammfromm. Oft muß man ihm seinen eigenen Willen durchgehen lassen.


2. Kanadierfahren und Risiko (?)


Kanadierfahren ist so gefährlich oder ungefährlich wie Autofahren.

Beispiel Autofahren: Wenn ein Auto mit 80 km/h die Landstraße befährt, wo ihm auf der anderen Straßenseite ebenfalls ein Auto mit 80 km/h entgegenkommt, so fahren sie mit einem Abstand von ca. 150 cm aneinander vorbei. 150 cm trennen sie von einem Frontalzusammen-stoß mit 160 km/h und das passiert täglich millionenfach im Straßenverkehr.

Autofahren ist also mit das Gefährlichste, was Menschen so machen- aber gleichzeitig auch aufgrund seiner Häufigkeit mit das Normalste.

Auto wie Kanu: Das Risiko fährt immer mit, ob man allein, zu zweit, zu viert oder in Gruppen fährt. Allerdings hält sich das Risiko in unserer Kulturlandschaft in Grenzen. In unberührter Wildnis kann ein einziger Fehler, eine Verletzung, ein Sturz, eine Kenterung oder ein Blinddarmdurchbruch zum tödlichen Verhängnis werden. Auch bei uns sollte man nicht leichtsinnig sein und: In der Gruppe fahren verringert das Risiko!

Ebenso nüchterne Selbsteinschätzung. Wir Großstadtkinder sind eben keine Trapper oder Waldläufer, sind nicht wie Indianerkinder in Rindenkanus großgeworden.

Also: Alles Gefährliche unbedingt meiden!- Notfalls das Boot auf den Rücken packen und am Ufer die Gefahrenstelle umtragen- auch wenns schwerfällt!

Darüberhinaus gibt es natürlich immer noch den Zufall. Auch er sollte einkalkuliert, die Augen immer offen und der Geist hellwach sein!

Als Anfänger sollte man nie alleine lospaddeln. Es sollte möglichst ein zweites Boot in der Nähe sein. Außerdem sollte man sich zum Üben einen windstillen Tag und ein stehendes Gewässer (z.B. einen kleinen See) aussuchen.

Flüsse mit leichten Schwierigkeiten erst nach Beherrschen der Grundfähigkeiten im Kanadierfahren (z.B. richtiges Anlegen) befahren.

3. Umwelt


Denke immer daran: Du bist nicht allein auf dieser Welt- auch wenn du in einer völlig einsamen Gegend fährst!

Es gibt immer noch Tiere und Pflanzen, auf die man Rücksicht nehmen muß, nicht auf jeder Wiese ist Zelten erlaubt, nicht in jeden Seitenarm darf man hineinfahren, nicht in jedem Supermarkt sollte mit Badehose, Sonnenhut und Gummistiefel eingekauft werden.

Nimm einen Müllbeutel mit.

Offenes Feuer vermeiden- oder aber gründlich ablöschen (eventuell Genehmigung beim Bauern, bei der Gemeindeverwaltung einholen!).

Angeln, Entenjagen, Vogeleierbrutzeln muß nicht sein- mach lieber Fotos, Filme mit der Videokamera! Da hast du auch für später noch etwas.



4. Der Wander- Kanadier


Bei unseren Kanadiern handelt es sich um drei Viererkanadier Fa. Gatz, Bez. „Cherokee“ mit 5,50 m Länge, um einen kleineren „Cherokee“ mit 5 m Länge und um drei Dreierkanadier.

Die großen Kanadier bestehen aus einer Mischung aus den sehr haltbaren Kunststoffen GFK (Fieberglas) und Kevlar (Aramidfaser). Die Cherokees gelten als kippstabil, wendig, ausreichend schnell und leicht zu handhaben.

Die Dreier sind schneller, leichter und wendiger, aber auch kippanfälliger.


Daten „Cherokee“:

Hersteller: Gatz Kanus

Arno Gatz

Bergisch- Gladbacher- Str. 787

Köln- Dellbrück

Tel.: 0221- 68 23 00

oder: Gatz- Kanus, Neustadt am Rübenberge/Hannover

Typ: Cherokee/ Wander- Kanadier

Länge: 5,50 m

Breite: 0,95 m

Leergewicht: 44 kg

Gesamtzuladung einschl. Personengewicht: 450 kg


5. Zubehör


5.1 Das Paddel:


Das Paddel ist neben dem Kanadier das wichtigste Gerät beim Kanufahren. Es sollte immer ein zuverlässiger Begleiter sein. Daher gilt: Nicht am Geld sparen! Ein gutes Paddel kann um die 100,- DM kosten. Es sollte seinem Benutzer bis an die Schulter reichen. Der Hintermann im Boot benutzt gern ein etwas längeres Paddel, das beim aufrechten Stehen im Boot noch einen unproblematischen Wasserkontakt zuläßt. Es sollte nicht zu schwer sein. Das Paddelblatt kann bei tieferem Gewässer lang und schmal, bei flachem Gewässer eher etwas breiter sein. An der Unterseite sollte es verstärkt sein. Die im Handel angebotenen Paddel sind meist „Allrounder“ und sind auf beide Einsatzmöglichkeiten zugeschnitten.

Ob ein Paddel aus Holz oder aus Kunststoff/ Alu besteht ist Geschmacksache. Ich ziehe das Alu- Paddel vor, weil es noch etwas leichter ist als das Holzpaddel, es splittert auch nicht so schnell, dafür ist es etwas kälter in der Hand.

Niemals defekte oder angebrochene Paddel benutzen!

5.2 Die Persenning (Spritzdecke):


Mit einer Persenning zu fahren hat viele Vor- aber auch einige Nachteile. Die Persenning schützt bei Regen und Kälte. Besonders in Verbindung mit einer Spritzschürze oder Lukendeckeln sind die Vorteile rasch zu spüren. Sie verhindert ein schnelles Vollschlagen des Bootes bei hohen Wellen und ein schnelles Vollaufen in Schräglage. Allerdings hat noch keiner mit einem Wander- Kanadier eine Kanurolle gemacht- sollte man wohl auch nicht! Eine Persenning kann auch den Verlust von Ausrüstungsgegenständen wie Sitzen oder Packsäcken verhindern.

Bei Wildwasserfahrten gilt ab Wildwasserklasse III in Verbindung mit einer Persenning: Helm auf (weil man mit dem Kopf dicht an der Wasseroberfläche fährt und langsamer aus dem Boot herauskommt).

Da haben wir auch schon einen Nachteil: Das langsamere Verlassen des Bootes. Allerdings sollte dieser Umstand nicht überbewertet werden, da es sich hierbei nur um Sekunden handelt. Ein weiterer Nachteil, der sich besonders an Land bemerkbar macht, ist das höhere Gewicht des Kanadiers. Außerdem überschätzen viele Fahrer die positive Wirkung einer Persenning und trauen sich in schwierigem Wasser zuviel zu.

Bei längeren Touren im Sitzen bietet die Persenning nur wenig Beinfreiheit.


5.3 Kiel- ja oder nein:


Immer wieder wird die Frage nach einem Kiel gestellt. Meiner Meinung nach ist ein Kiel an einem Kanadier lediglich von Vorteil, wenn man einen stabilen Geradeauslauf des Bootes benötigt (z.B. auf einem See). Bei Fahrten auf fließendem Gewässer sollte man eher ohne Kiel fahren, da das Boot wesentlich an Beweglichkeit gewinnt und nicht so schnell umschlägt, wenn es quer zur Strömung schwimmt.


5.4 Die Schwimmweste:


Schwimmwesten sind reine Schwimmhilfen und bieten bei Ohnmacht keinen Schutz vor dem Ertrinken! Schwimmwesten bestehen aus geschlossenzelligem Weichschaum, dessen Auftrieb auch durch Beschädigung nicht gemindert wird.

Schwimmwesten sollten leuchtende Warnfarben haben und zur Sicherheit bei Kenterungen getragen werden, da sie dazu beitragen, schnell an die Wasseroberfläche zu gelangen, schneller in trübem Wasser gefunden zu werden und als Schwimmhilfe und Wärmedämmung bei längerem Wasseraufenthalt dienen.

Schwimmwesten immer in Größe und Gewichtsklasse passend kaufen. Beim Anlegen alle Gurte und Bänder schließen (besonders den Bauchgurt- er verhindert ein Abrutschen der Weste über den Kopf!). Kosten: um die 100 DM. Beschädigte Westen gehören- wie der kaputte Fahrradhelm- in den Müll!


5.5 Die Rettungsweste:


Rettungswesten besitzen einen Kragen, der den Schwimmenden automatisch auf den Rücken und den Kopf nach oben dreht. Die Rettungsweste sollte vor der Brust Griffe haben, die ein Retten des Schiffbrüchigen erleichtern.

Rettungswesten mit Gaspatrone zum aufblasen sind zwar bequem, aber bei Kindern nicht empfehlenswert (Spieltrieb!).





5.6 Die Erste- Hilfe- Box:


Beim längeren Kanufahren (Touren) sollte eine Erste- Hilfe- Box immer dabei sein. Der Inhalt sollte der jeweiligen Jahreszeit (Mittel gegen Insektenstiche) und der Art der Unternehmung angepasst sein. Immer drin sollte sein:

Unterschiedliche Pflaster, Verbände, Wundgel, Dreieckstuch, Rettungsdecke, Beatmungs-tubus, Pinzette, Schere, Einmalhandschuhe, evtl. Zeckenzange.


5.7 Der Dachgepäckträger, der Bootsanhänger, die Befestigungsgurte:


Dachgepäckträger stabil aussuchen. Er sollte breite Füße und kräftige Holme haben. Eine rutschfeste Schaumauflage ist sinnvoll. Boote immer dicht am Bootskörper angurten, um ein seitliches verrutschen zu verhindern. Gurte aus Kanu- Zubehör eignen sich am Besten.

Boote am Bug und am Heck mit zusätzlichen Leinen am Fahrzeug bzw. Trailer (Anhänger) sichern. Niemals Expandergummis (Fahrradgurte) verwenden!- Zu nachgiebig!

Niemals mit Gurtratschen befestigen!- Zu wenig Gefühl beim Festziehen- Boote können zerbrechen!

Über 1 m überstehende Boote mit roter Fahne sichern, nachts mit roter Lampe.

80 km/h ist die gesetzlich vorgeschriebene Höchstgeschwindigkeit mit Anhänger. Achslast nicht überschreiten, Anhängelast nicht überschreiten!

Vor der Abfahrt den gesamten Anhänger überprüfen:


5.8 Zubehör bei Kurztrips:


a. Boot:

Sitze, Ersatzsitz (den längsten im Boot), Paddel, Ersatzpaddel (normales Paddel- kein „Billigpaddel“!), Leinen, evtl. Persenning, Spritzschürzen, Lukendeckel


b. Unterkunft:

Zelt, Schlafsack, Iso- Matte/ Luftmatraze


c. Küche:

Campingkocher, Topf, Teller, Becher, Besteck


d. Verpackung:

Kunststofftonnen, gummierte Packsäcke


e. Kleidung:

Regenzeug, feste Schuhe, Gummistiefel, für drunter: Fließ- oder Wollsachen, für drüber: alles, was bequem, strapazierfähig und nicht sonderlich schmutzanfällig ist, Badezeug, Sonnenbrille, Sonnenhut


f. Verpflegung:

Möglichst frisch einkaufen, große Portionen kalkulieren- frische Luft macht hungrig!


g. Rettungsgerät:

Bergungsleine, Erste- Hilfe- Box, Schwimm- bzw. Rettungsweste


h. Hygiene:

Klappspaten, Sonnencreme, Mückenöl, Tampons, Taschentücher, Toilettenpapier


i. Sonstiges:

Messer, Beil, klappbare Säge, Folie, Kerze, wasserdicht verpackte Streichhölzer



6. Tipps für Anfänger


6.1 Einsteigen bei zwei Paddlern:


Beide Paddler schauen nach vorne, in Richtung Bug. Der Vordermann steigt zuerst ein, während der Hintermann den Kanadier am Dollbord festhält und stabilisiert. Dann steigt der Hintermann ein, während der andere sichert und stabilisiert.

Der Vordermann sollte deshalb zuerst einsteigen, weil der Kanadier an seinem Sitz doppelt so breit ist wie am hinteren Sitz. Macht man es falsch herum, so steigt das Boot vorne aus dem Wasser und verliert an Stabilität. Es ist dann für einen Anfänger so, als ob er auf einem schwimmenden Baumstamm balanciert.


6.2 Aussteigen:


Für das Aussteigen gilt dasselbe Prinzip- nur in umgekehrter Reihenfolge. Hier steigt also zuerst der Hintermann aus und dann der Vordermann (denkt an die größere Kontaktfläche- Stichwort Haftreibung!- unter dem Vordersitz). Wichtig!- Blickkontakt, evtl. Absprache!


6.3 Ballast:


Eine schwere, gut placierte Ausrüstung, wirkt sich positiv auf die Stabilität des Bootes aus.


6.4 Paddelposition:


a. Sitzen:

Entspanntes Paddeln bei hohem Schwerpunkt. Beine können durchgedrückt oder unter dem Sitz angewinkelt sein. Beine oder Knie gegen die Bordwand drücken, um Stabilität zu gewinnen.

b. Knien mit Dreipunkt- Auflage:

Die übliche Langstrecken- Position. Die gespreizten Knie liegen auf dem Bootsboden auf, der Po lehnt gegen den Sitz. Eine sehr stabile Position, in rauhem Gewässer ein Muß.


c. Knien mit gestrecktem Oberkörper:

Knie fest auf dem Bootsboden gespreizt, Oberkörper aufgerichtet, Oberschenkel gegen den Querholm gedrückt.

Bietet des Möglichkeit des Ausstreckens und über den Vordermann hinwegzusehen.


d. Aufrechtstehen:

Die Beine sind gespreizt, der vom Paddel entfernte Fuß steht weiter nach vorne und ist etwas nach innen gekehrt. Die Wade des dem Paddel zugewandten Beines ist an den Sitz gepresst. Das Paddel befindet sich im Wasser. So hat man einen noch besseren Überblick als beim Aufrichten des Oberkörpers. Nur in ruhigem Wasser! Nichts für absolute Anfänger! Üben nur in sicheren Gewässern mit erfahrenem Zweitpaddler und/ oder 2. Boot!



6.5 Paddeltechnik, kniend:


Bei einer guten Technik paddelt der ganze Körper.

Beim Vorwärtsschlag bewegt sich der Oberarm von der Schulter aus nach vorn. Wie ein Boxer, der eine Rechte schlägt.

Wenn man sich in der Taille etwas bewegt und mit der Schulter eine Rollbewegung macht, bringt man die Muskeln des Oberkörpers in die Arbeit mit ein.

Die untere Hand dient dabei lediglich als Drehpunkt. Durch die ausgenutzte Hebelwirkung wird die Körperenergie am wirkungsvollsten umgesetzt in Bewegung.

Nach dem Paddelschlag fällt die obere Hand tief herunter, das Paddel kommt aus dem Wasser und wird horizontal am Boot entlang nach vorne geführt, um den Luftwiderstand zu verringern.

Bei einem langen Tagestrip kann man schon mal auf bis zu 14.000 Schläge kommen! Also: Kraft einteilen und die Technik so effizient wie möglich einsetzen!


6.6 Der Windeffekt:


Nur ganz selten kann der Kanufahrer sie genießen: die Windstille. Am ehesten noch, wenn man vor Sonnenaufgang auf dem Wasser ist. Die Tageszeit, wenn das Wasser absolut ruhig ist, wie ein Spiegel, und man den Eindruck hat, als schwebe man zwischen Himmel und Erde. Die Bewegung scheint ohne Anstrengung, das Kanu reagiert auf den schwächsten Paddel-schlag. Unter solchen Bedingungen zu üben wäre ideal!


Und jetzt zum Wind:

a. Ein leerer Kanadier stellt sich immer quer zum Wind, weil er symmetrisch gearbeitet ist und der Wind so überall dieselbe Angriffsfläche hat. Sitzt der Paddler genau in der Mitte des Bootes wird es sich auch quer zum Wind stellen.

b. Wenn der Paddler allein hinten im Boot sitzt, hebt sich das Kanu mit der Spitze aus dem Wasser und dreht sich mit der Spitze aus dem Wind. Der Paddler sitzt im Zentrum der Drehbewegung und nach Beenden der Bewegung mit dem Rücken zum Wind.

c. Wenn man allein und bei Wind paddelt, so sollte man dies in der Kanumitte und kniend tun. Rückt man etwas vor oder hinter die Mitte, so steigt das Kanu wieder etwas aus dem Wasser und wirkt wie eine Wetterfahne, die man als spurstabilisierendes Element bewußt einsetzen kann.

d. Ein Paddler kann den Winddruck nutzen. Zum Beispiel: Der Wind bläst von der linken Seite. Das Boot hat die Tendenz, nach rechts auszuweichen. Setzt der Paddler nun einen leichten Paddelschlag auf der rechten Bootsseite entgegen, so fährt der Kanadier wieder geradeaus. Geht man im Boot weiter nach vorne und läßt das Heck höher aus dem Wasser steigen, so führt dies bei einem Paddeleinsatz rechts zu einer Linksbewegung des Kanus gegen den Wind- dies spart Kraft! Läßt man den Bug weiter aus dem Wasser herausragen, so erhält der Wind eine größere Angriffsfläche vorne, drückt das Boot dann auch vorne herum und aus dem Wind. Ohne die Paddelseite zu wechseln kann man also- mit dem nötigen Gefühl- das Boot in verschiedene Richtungen lenken- nur mit Hilfe des Windes. Ausprobieren sollte man dies allerdings immer bei wenig Wind!




6.7 Paddelschläge:


Allgemeines: Sitzt man als Anfänger zum ersten Mal in einem Boot, so denkt man: Paddeln ist doch ganz einfach. Anzusteuernde Richtung anpeilen, Paddel ins Wasser und los. Und beim ersten Schlag des Paddels macht das Boot plötzlich eine unerwartete Seitwärtsbewegung vom Paddel weg. Man sagt, es giert. Um dem entgegenzuwirken, wechselt der Paddler nach einigen Schlägen die Seite, was zur Folge hat, das das Kanu jetzt zur anderen Seite giert usw.. Im Zickzackkurs bewegt man sich so auf sein Ziel zu, das man dann auch irgendwann einmal- wenn auch mit einigen Kilometern mehr auf dem Buckel- erreicht.


a. Der „J“- Schlag:

Geradeaus fährt man, wenn man am Ende des Schlages das Paddel mit der in Paddelrichtung liegenden Seite vom Bootkörper wegdrückt oder weghebelt. Diesen Schlag bezeichnet der Paddler aufgrund seiner Form als „J“- Schlag. Er dient hauptsächlich dazu, den Geradeauslauf des Kanus zu garantieren und das Gieren zu verhindern.


b. Der Bogenschlag:

Will man eine enge Kurve in die dem Paddel abgewandte Richtung fahren, so benutzt man den Bogenschlag. Hierbei beschreibt das Paddelblatt im Wasser einen Halbkreis. Je weiter man vorne am Boot ansetzt, desto enger wird die Kurve.


c. Paddelausleger:

Kein richtiger Schlag, aber sehr wichtig zum stabilisieren des Bootes ist der Paddelausleger. Hierbei werden die Paddel rechtwinklig links und rechts aus dem Boot gehalten und leicht auf die Wasseroberfläche (nicht unter Wasser!) gedrückt. Jetzt ist es kaum noch möglich, das Boot umzukippen.


d. Paddeln zu zweit/ viert:

Der Vordere benutzt den normalen Treib- oder Grundschlag, der Hintere lenkt mit dem „J“ oder dem Bogenschlag.

Große Kurven fährt man, wenn beide Paddler auf einer Seite paddeln.

Engere Kurven fährt man, wenn der vordere Paddler am Bug einen „J“- oder einen Bogenschlag ansetzt. Hierbei sollte der Schlag jedoch kurz ausgeführt werden.

Drehen auf der Stelle schafft man, wenn der Kanadier angehalten wurde und der vordere Paddler rückwärts und der hintere Paddler im gleichen Rhythmus und gleicher Stärke vorwärts paddelt. Bei starker Strömung sollte der vordere Paddler zum Bug-„J“ übergehen, wenn das Boot anfängt, abzutreiben.

Enge Kurve unter wenig Fahrt schafft man auch durch Ziehen. Dabei wird das Paddel weit vom Bootskörper weg ins Wasser gestoßen und mit dem Paddelblatt gegen den Bootskörper gezogen.

Wird diese Technik von beiden Paddlern auf derselben Seite angewandt, so wird das Boot in seiner Länge seitlich versetzt.

Immer gilt: Nie gegeneinander, sondern miteinander paddeln. Einer sollte den anderen unterstützen und ergänzen. Jeder Paddler hat seinen bestimmten Aufgabenbereich. Wenn er und sein Mitpaddler diesen kennen, sollte es in einem Boot immer harmonisch zugehen und keine Streitpunkte entstehen.

e. Anhalten/ Nothalt:

Beim Nothalt werden alle Paddel gleichzeitig mit dem Paddelblatt quer zum Boot ins Wasser gehalten. Bei Strömung sollte man beachten, das das Kanu auch dann nicht steht, wenn es steht....! Der Paddler muß also auch noch die Fließgeschwindigkeit des Wassers ausgleichen, notfalls sogar rückwärts paddeln.

6.8 Seilfähren:


Die Seilfähre ist eine bequeme, ruhige Art, einen Fluß zu queren. Das Wort Seilfähre kommt von der Methode, ein Boot mit Hilfe von zwei Seilen, die am Bug und Heck angebracht sind, von einem Ufer an das andere Ufer zu dirigieren. Dabei wird das Boot mit dem Bug gegen die Strömung gedreht und der Bootskörper leicht gegen die Strömung auf das zu erreichende Ufer gedreht. Die am Bootsrumpf entlanglaufende Strömung bewirkt nun eine langsame Seitwärtsbewegung des Bootes vom Ufer weg. Dabei wird es durch die beiden Seile stabilisiert. Dieses Prinzip funktioniert auch ohne Seile. Hierbei werden unsere Paddel zu Seilen. Sie halten das Boot immer ein wenig gegen die Strömung geneigt, so daß es ohne

große Anstrengung an das jenseitige Ufer treibt. Leichte Paddelschläge vorwärts verhindern ein Abtreiben.

Seilfähren gegen die Strömung funktionieren fast immer unproblematisch. Bei Seilfähren mit der Strömung muß unbedingt ein ausgeglichenes Gewicht im Boot herrschen. Meist sitzt der größere, schwerere Paddler hinten. Dann ragt das Heck zu tief ins Wasser und das Heck schlägt herum. Das richtige ausbalancieren der Bootsmasse nennt der Paddler Trimm.


6.9 Anlegen:


Anlegen tut man normalerweise immer gegen den Wind (meist an Seeufern) oder gegen die Strömung. Fährt man also flußabwärts und will auf der rechten Flußseite anlegen, so paddelt man rückwärts, stellt das Boot leicht quer zur Strömung und läßt sich durch die Strömung mit leichter Paddelunterstützung auf die rechte Seite treiben. Dort hält der hintere Fahrer sich fest, wartet, bis sich auch der Vordermann festhält und verläßt dann das Boot als erster. Er hält jetzt das Boot fest während der Vordermann aussteigt.

Beim Fahren gegen die Strömung geht man folgendermaßen vor: Das Boot wird schräg gegen die Strömung ans Ufer gefahren. Erreicht der Bug das ruhige Randgewässer, wird das Heck herumgedrückt. Während der Bewegung hält der Vordermann das Boot fest am Ufer und steigt nach Beendigung der Drehbewegung als erster aus. Er sichert das Kanu und der Hintermann steigt aus.


7. Hindernisse/ Wehre:


Hindernisse beim Kanufahren können natürlicher oder künstlicher Natur sein. Zu den natürlichen Hindernissen zählen umgestürzte Bäume, eingestürzte Böschungen oder Untiefen (flache Stellen). Es können Felsen im Wasser liegen oder natürliche Wehre wie kleine

Wasserfälle auftauchen. Eines haben diese natürlichen Hindernisse gemeinsam: Den Überraschungseffekt! Oft waren sie gestern noch nicht da und sind morgen schon wieder weg oder tauchen woanders plötzlich neu auf. Mit natürlichen Hindernissen also immer rechnen. Oft sind sie schon zu erahnen. Stehen viele Bäume dicht am Ufer, sind vielleicht schon „Luftwurzeln“ zu sehen, so kann hier ein Baum leicht einmal umgeweht werden und im Wasser liegen. Es gilt, die Umgebung mitzubeobachten.

Dies gilt auch und besonders für künstliche Hindernisse: Unter Brücken können noch Teile alter Brücken liegen oder Reste der Bauzeit. Betonblöcke mit herausragenden Metallteilen sind absolut tödlich für ein Kanu- und oft auch für den Paddler! Von Menschen geschaffene Hindernisse sind immer gefährlicher, als dies natürliche Hindernisse sind. Darum hierauf besonders achten! Oft sind sie im Kanuführer vermerkt. Diese Eintragungen (z.B. „Verblockt“) niemals unterschätzen! Immer rechtzeitig aussteigen und sich das Hindernis ansehen!

Wehre sind als gefährliches Hindernis auf unseren Flüssen am häufigsten anzutreffen. Nicht die Höhe des Wehres als vielmehr die Walze dahinter ist gefährlich. Bereits bei einer Wehrhöhe von einem Meter kann die dahinter liegende Wasserwalze das gesamte Kanu unter Wasser saugen und halten. Am gefährlichsten sind die sogenannten Tosbecken hinter Kastenwehren. Stufenwehre sind dagegen relativ harmlos. Die meisten Kanuunfälle passieren hinter Wehren! Und noch eins: Wehre mit Rutschen sind fast immer ungefährliches, aber strammes Wildwasser. Im Zweifelsfall bei Wehren immer daran denken: Es gibt junge, draufgängerische und alte, vorsichtige Kanuten, aber es gibt nur wenige alte, drauf-gängerische!



8. Fluß-„Morphologie“


Das Wort „Morphologie“ (griechisch: Lehre von das Gestalt und Form) hört sich schlimm an. Es ist aber einfach die Bezeichnung für den das Aussehen eines Flußbettes ohne Wasser. Wenn kein Wasser im Flußbett ist, erkennt man alles, was sich darin befindet. Große und kleinere Felsbrocken, alte Baumstämme, Autowracks, tiefe und flache Stellen- alles ist zu sehen. Und alles hat eine Auswirkung auf das darüber und darum fließende Wasser. Jede Welle, jede Turbulenz, jede Störung an der Wasseroberfläche hat seinen Ursprung unter Wasser. Wer die Zeichen auf der Wasseroberfläche richtig lesen kann, der vermeidet oft gefährliche Situationen. Unübersichtliche Passagen sollte man immer vom Ufer aus analysieren. Dazu muß man bei schnellem- meist flachem- Wasser rechtzeitig ans Ufer paddeln.


8.1 Fließgeschwindigkeit


Die Fließgeschwindigkeit eines Flusses ist nie gleich. Sie variiert mit der Breite, der Tiefe und den Hindernissen im Flußbett. Sind die Uferlinien gerade und das Flußbett ist frei von Hinder-nissen, so ist die Fließgeschwindigkeit des Wassers am Ufer und am Grund des Flusses aufgrund der Reibung am geringsten. In der Flußmitte ist die Fließgeschwindigkeit am größten.

Paddelt man aus Sicherheitsgründen dicht am Ufer (unter Land), so kann es passieren, daß das Kanu mit dem Bug an das Ufer gerät, vom schnelleren Mittelwasser herumgedreht wird und plötzlich quer oder rückwärts auf dem Wasser treibt. Taucht jetzt ein plötzliches Hindernis auf, ist eine Kenterung kaum noch zu vermeiden.

In der Kurve strömt das meiste und somit auch das tiefste Wasser außen. Hier fließt es am schnellsten. In der Innenkurve fließt es am langsamsten. Die Außenkurve ist meist tief, die Innenkurve meist flach. Von innen nach außen entwickelt sich eine separate Oberflächen-strömung mit nach unten saugender Tendenz. Diese Unterströmung kann auf größeren Flüssen gefährlich werden.

Am Rand bildet sich bei flachem Ufer aufgrund der Reibung oft eine Spiralströmung. Auch diese hat die Tendenz, ein Boot festzuhalten, anzusaugen. Sie ist jedoch meist nicht so kräftig und kann durch einen gezielten Paddelschlag überwunden werden.

Spiralströmungen an der Innenseite einer rechtwinkligen Kurve eines breiteren Flußlaufes sollte man jedoch nicht unterschätzen (z.B. Leine bei Poppenburg). Diese Strömung hat die Tendenz, das Kanu in die Strommitte zu schieben, das somit Gefahr läuft, an die Prallwand der Strömung zu donnern und dort „festzukleben“. Einen Schwimmer kann diese Strömung sogar herunterziehen. Hinter einer solchen Ecke fließt das Wasser meist orientierungslos. Hier ist vorsichtiges, wachsames Paddeln ohne große Gewalt angesagt. Sobald der Fluß seinen normalen Verlauf wiederfindet, wird auch die Strömung wieder normal und kalkulierbar.


Hinter so starken Strömungen findet man oft ein weiteres Problem. Durch die Wassermassen werden oft Steine vom Grund mitgerissen, die hinter der tiefen Stelle einen sogenannten „Steingarten“ bilden. Dieser Steingarten kann sich über die gesamte Flußbreite ausdehnen, eine Fahrrinne ist häufig nicht zu finden. Hier heißt es oft, im Froschgang durch- oder umtragen (Froschgang: Vorder- und Hintermann sitzen absprungbereit auf dem Bug und Heck des Kanus und dirigieren das Kanu mit den Füßen von Stein zu Stein- nur in übersichtlichen, ruhigen Gewässen praktizieren, macht viel Spaß!).


8.2 Stromschnelle


Felsen bewirken im Flußbett meist Turbulenzen. Diese Wasserbewegungen sind normaler-weise an der Oberfläche zu sehen. Sie machen sich durch schwache Kräusel oder weißen Schaum bemerkbar. Bei starker Strömung türmt sich vor dem Felsen eine brechende Widerwelle. Hinter großen Felsen finden wir oft Ruhezonen, sogenanntes Kehrwasser.

Felsen in tiefem Wasser sind oft nicht zu erkennen, auch wenn sie direkt unter der Wasseroberfläche liegen. Hier läuft man leicht Gefahr, aufzulaufen.

Bei starker Strömung kann hinter dem Felsen eine Walze entstehen, in der das Wasser plötzlich stromauf fließen kann. Die Kraft dieser Walze kann eine Paddler durchaus festhalten. Wie bei der Walze hinter einem Wehr bleibt für den Schwimmer oft nur eine Möglichkeit, aus der Walze herauszukommen: Die Schwimmweste ausziehen, abtauchen und sich von der Bodenströmung aus der Walze tragen lassen. Oder man verläßt die Walze am Rand- was meist bei natürlichen Walzen die bessere Lösung ist. Solche Schnellen möglichst umtragen.


8.3 Stromzunge


An Stromzungen erkennt man den Verlauf des Fahrwassers zwischen Felsen hindurch. Bildet die Oberfläche des Wassers ein dunkles, glattes, flußabwärts gerichtetes „V“, so zeigt es eine tiefe, hindernisfreie Rinne an.

Ein stromaufwärts gerichtetes „V“ zeigt ein Kehrwasser mit einem Felsen am engsten Punkt an.



9. Die häufigsten Kanadier- Unfälle:


9.1 Breitseits vor einem Block:


Wenn man quer vor einen Felsen treibt, bleibt einem oft nur die Gewichtsverlagerung im Boot, um das Kanu zu retten. Hierbei steigt der Vordermann auf den Felsen und entlastet so das Boot. Das Heck wird jetzt am Felsen vorbeigedreht, der Vordermann steigt wieder ein, und weiter geht es. Oder: Der Vorder- bzw. der Hintermann rutscht im Kanu nach vorn bzw. nach hinten, um ein Ungleichgewicht im Boot herzustellen. Auch in diesem Fall rutscht der Kanadier um den Felsen herum.

Sollte die Zeit für diese Maßnahmen nicht ausreichen, versucht man zuerst dem Boot eine gewisse Stabilität zu geben. Die erreicht man auf keinen Fall, indem man sich gegen den Felsen abstützt! Das führt dazu, daß der Rand des Kanus unter Wasser gedrückt wird, das Boot läuft voll und wickelt sich förmlich um den Felsen. Kanadier aus Kunststoff reißen einfach auseinander. Bei einer Strömungsgeschwindigkeit von 13 km/h (doppelt so schnell wie die Oker) beträgt der Druck, der auf das Boot ausgeübt wird, ca. 2 Tonnen. Sollte sich ein Mensch zwischen Kanu und Felsen einklemmen (Vielleicht, weil er das Boot retten wollte..), so wird er also nicht vom Kanadier, sondern allein vom Wasserdruck zerquetscht.

Diese Art zu sterben heißt bei Kanuten die „Bärenfalle“.

9.2 Vorwärts oder rückwärts gegen einen Felsen:


Hier hilft oft das Aussteigen auf den Felsen und das Boot herumschwenken lassen. Oder Aussteigen und das Boot über das Hindernis hinwegheben. Achtung!- Niemals auf der stromabwärts gerichteten Seite des Kanadiers aussteigen! Zu leicht kann einen das Boot umwerfen, unter Wasser oder vom sicheren Felsen drücken!



10. Vollgelaufener Kanadier:


Ein vollgelaufener Kanadier wiegt sein Eigengewicht + das in ihm befindliche Wasser + den Wasserdruck, der bei unterschiedlichen Strömungen unterschiedlich hoch ist.

Ein „Cherokee“ wiegt leer- denn leer ist er in diesem Augenblick meist, weil alles Gepäck, Paddel usw. bereits „den Bach runter“ schwimmt- ca. 44 kg. Dazu kommt das Gewicht des Wassers + Druck- macht in der Oker ungefähr 1 Tonne, also so viel, wie ein PKW wiegt. Summa summarum sind wir bei 1045 kg. Und die treiben durch das Wasser, müssen also erstmal angehalten und an das rettende Ufer gebracht werden. Dies bewerkstelligt man am Besten mit einer Bergungsleine, die schwimmfähig und lang genug sein sollte, um das in der Flußmitte oder am anderen Ufer treibende Boot an Land ziehen bzw. die Leine an einem Baum befestigen und das Kanu an Land treiben zu lassen.

Bei einem Viererkanadier können sich zwei Leute um die Paddel usw. kümmern, während die beiden anderen das Boot entleeren. Einer nimmt den Bug und einer das Heck. Das Boot wird mit dem Bug gegen die Strömung gedreht und am Bug leicht angehoben. Jetzt unterstützt der Wasserdruck das Unterfangen und eine Menge Wasser läuft aus dem Boot. Als nächstes dreht man das Boot auf die Seite- immer noch im Wasser-, geht in die Knie, nimmt den Kanadier vor die Brust und steht langsam auf. Hierbei läuft das restliche Wasser aus dem Boot (bis auf ein paar Tropfen unter dem Süllrand. Dann wird das Boot wieder auf der Wasseroberfläche abgesetzt.

Ein vollgelaufenes Boot niemals über eine hohe Kante (auf einen Steg, über eine Böschung) ziehen! Das Gewicht des Wassers kann einen Kanadier zerbrechen. Immer erst ausleeren! Und zwar so: Bug anheben, einen Teil des Wassers herauslaufen lassen, Bug auf den Steg legen, das Boot auf die Seite drehen, dann ganz umdrehen und auf den Steg ziehen- fertig!



11. Boot- über- Boot- Bergung:


Beschädigte Kanadier kann man mit einem zweiten Kanadier transportieren, wenn man sie – leer- mit dem Kiel nach oben quer auf den anderen Kanadier zieht.



12. Hypothermie:


Wieder so ein Fremdwort. „Hypothermie“ bedeutet: Abnorm niedrige Körpertemperatur- eine Form der Unterkühlung. Wer einmal zu lange im Freibad war, der kann sich vorstellen, warum dieser Begriff in Verbindung mit Kanufahren so wichtig ist. Das tückische bei Hypothermie ist, das man sich völlig in Ordnung fühlt. Und Hypothermie kann bereits bei verhältnismäßig warmen Temperaturen eintreten (ab ca. 10 Grad Plus!).


Anzeichen für Hypothermie:


Gegenmittel:



13. Außergewöhnliches und Vergnügliches:


13.1 Katamaran- Fahren:


Wer etwas Spaß in den grauen Kanadieralltag bringen will, der geht mit seinem Boot kreativ um und macht etwas anderes daraus. Zum Beispiel einen Katamaran. Das geht verhältnismäßig schnell und einfach. Man suche sich zwei 5-6 cm dicke , ca. 2-3 m lange Baumstämme, entferne die Äste, lege den einen über den vorderen und den anderen über den hinteren Querholm des Kanadiers und zurre beide mit den Spanngurten so fest, daß die Kanadier parallel nebeneinander schwimmen. Jetzt hat man bereits die einfachste Art eines Katamarans. Nimmt man als Verbindung längere und stärkere Hölzer, so kann durchaus eine Fläche entstehen, auf der man mit Hilfe von ein paar Brettern eine Fläche zum Aufstellen eines Zeltes bauen kann. Befestigt man an den vorderen beiden Querholmen zusätzlich zwei ca. 3 m lange Masten., die man an der Spitze verbindet, so erhält man einen Mast, an dem man ein primitives Segel befestigen kann. Mit so einem Boot kann man dann schon mal den leichten Wind über einem See ausnutzen. Gegen den Wind kreuzen kann man damit allerdings nicht.

13.2 Grillen (Nachahmung nicht empfehlenswert):

Es soll schon vorgekommen sein, daß Paddler während der Fahrt Appetit auf ein schönes Bärensteak bekommen haben. Und damit sie in der Wildnis nicht noch zwei Wochen bis zum nächsten Mc D...... paddeln mußten, befestigten sie kurzerhand eine Holzkohlegrill am Bug ihres Kanus. Dazu werden zwei Äste rechts und links vom Querholm nach vorne so befestigt, das sie ca. 1 m vor die Bugspitze ragen. Jetzt befestigt man den Grill mit etwas Abstand vor dem Bug zwischen den Ästen und ....Kohle rein, Fleisch drauf- fertig!

Man sieht- der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt.

14. Ausbilder/ Führer:


Oberstes Gesetz sollte sein: Wer mit Paddelanfängern oder mit Kindern paddelt, der sollte alle Grundkenntnisse hundert- und- ein- prozentig beherrschen und immer berücksichtigen. Wie schnell ist man an einer Landestelle vorbeigeschossen und schon im nächsten Augenblick vor dem nächsten Wehr! Unbekanntes Gewässer darf es in diesem Fall nie geben. Kann man sich Passagen vorher nicht ansehen, so sollte der Führer einer Anfängertruppe zumindest mit ausreichendem Abstand vorneweg paddeln (Sicht- und Rufweite beachten, eventuell akustische Signale vereinbaren, z.B. Trillerpfeife). Außerdem sollten bestimmte Grundfertigkeiten vorher ausreichend geübt worden sein. Niemals mit reinen Anfängern unbekannte Flüsse befahren- auch nicht die Oker!



15. Interessante Paddelmöglichkeiten in und um Braunschweig:


15.1 Oker


Die Oker bietet Reizvolles für den Anfänger nördlich von Wolfenbüttel bis Braunschweig. Mit Einsatzmöglichkeiten in Leiferde/ Fischerbrücke oder Stöckheim/ Festplatz. Kanurutsche am Wehr in Rüningen (linke Seite). Für Anfänger befahrbar.

Okergabelung am Porticus.

Rechte Okerumflut im Bereich der Innenstadt mit Kanuverleih an der Kurt- Schumacher- Str., mit Wehranlage an der Maschstraße (Umtragemöglichkeit rechts) und Wendenwehranlage an der Wendenstr.- umtragen durch Inselwall- mit Kindern nicht zu empfehlen!

Linke Okerumflut Richtung FBZ, Europaplatz bis Wehr Maschstraße (rechts umtragen- Steg), am Heizkraftwerk vorbei bis Ölper. In Ölper befindet sich ein Wehr mit einem Anlegesteg und einer Kanurutsche rechts. Bei normalem Wasserstand auch für Anfänger befahrbar, bei Hochwasser aber lieber umtragen (rechts, über Brücke, dann links hinter Wehr einsetzen).

Weiter über Veltenhof- sehr urwüchsig!- bis Mittellandkanal. Einsatzstelle am Ruderverein Normannia. Dort übersetzen- Achtung!- Schiffsverkehr!

Weiter Richtung Hankensbüttel (zeitweise sehr schmal und flach- Hindernisse im Fluß- besonders bei Niedrigwasser!- aber sehr reizvoll, ad zeitweise noch urwüchsig) bis in die Aller hinter Müden- Diekhorst.


15.2 Innerste


Innerste für Anfänger interessant ab Grasdorf (zeitweise flach, wildwüchsig, „abenteuerlich“), an den Mühlen Vorsicht bei starker Strömung, rechtzeitig anlegen, umtragen lt. Kanuführer, kurz vor Hildesheim gefährliches Wehr an Hohnsensee, links umtragen oder in Eselsgraben rechts fahren und dort anlegen und umtragen, danach gleich Natur- und Freibad „Johannis-wiese“ (Eintritt lohnt sich, Riesenrutsche, Naturstrand, Duschen), weiter bis Bischofsmühle

(Wildwasserstrecke des DKV, nach Autobrücke links anlegen, große Boote umtragen, weiter bis Gymnasium Himmelsthür, Sportzentrum, Übernachtungsmöglichkeit, guter Platz für Fahrtende.


15.3. Leine


Die Leine ist der größte Fluß in unsere Nähe. Befahren sollte man sie erst, wenn man bereits Erfahrungen im Kanuwandern gesammelt hat. Ansonsten bieten sich Tagestouren von Einbeck (Einsetzen unterhalb des Rückhaltebeckens in Salzderhelden) bis nach Nordstemmen (Marienburg!)- drei Tage- an.


Im Sommer sehr reizvoll und ruhig. Bei Gegenwind für den Anfänger gewöhnungs-bedürftig...!

Die Leine bietet immer wieder Überraschungen- auch dem erfahrenen Paddler- daher direkt vor Gruppenfahrten noch einmal ansehen. Flußverlauf und Wehre siehe Kanuführer. Im Frühjahr bei Schneeschmelze und Hochwasser sehr schnell und nur für erfahrene Kanuten befahrbar, da stellenweise übergetreten und so Flussverlauf nicht immer eindeutig- Fahrt kann im Stacheldraht auf einer Wiese enden, Brücken werden zu niedrig zum Unterfahren- zeitweise Metalldrähte unter den Brücken!

Übernachtungsmöglichkeiten (Zelten) in den Gemeindebüros erfragen. Sehr schön in Freden (Sportplatz- Duschen und Wasser in Sportheim!), Greene (Kanuverein, Toiletten, Grillplatz) und Brüggen (Kieswerk Krause, direkt am Wehr- Privat! Oder unterhalb des Wehres auf Gemeindegrundstück).



16. Literatur-/ Quellenverzeichnis:


Mason, Bill

Die Kunst des Kanufahrens: Der Canadier

4. Auflage 1991

Verlag Busse und Seewald, Herford

Originaltitel: Path of the paddle by Porter Books, Toronto, Ontario, Kanada

ISBN 3-512-00775-9


Dr. Karl Schoderer

Deutsches Flußwanderbuch

Deutscher Kanu- Verband Wirtschafts- und Verlags GmbH

Bertaallee 8, Duisburg, Tel.: 0203- 72965

ISBN 3-924580-10-3


Achtung Kanufreunde!


Wenn ihr noch andere reizvolle Wanderstrecken in unserem schönen Lande wisst, mailt mir doch bitte!

Ich würde sie gerne hier aufnehmen!


E- Mail: juzeturmbs@t-online.de